Flussauen im Frühjahr: wo sich die Vogelzugrouten kreuzen
Eine Aue ist kein Ufer, sondern ein ganzer Landschaftstyp: Flachwasser, Schlick, Weidengebüsch und Wiesen, die im Frühjahr regelmäßig unter Wasser stehen. Genau diese Unordnung macht sie zur wichtigsten Raststation für Vögel auf dem Weg nach Norden.
Flussauen im Frühjahr: warum dort alles rastet
Der Zug nach Norden läuft in Etappen, und zwischen zwei Etappen brauchen die Tiere Nahrung und Ruhe. Flache Uferzonen liefern beides: Wirbellose im Schlick, Deckung im Schilf, Übersicht über die offene Fläche. An guten Tagen wechseln die Arten stündlich.
- Frühmorgens und in der Dämmerung ist die Aktivität am höchsten
- Ein Fernglas bringt mehr als jedes Teleobjektiv
- Auf den Wegen bleiben, denn Brutplätze liegen oft direkt daneben
Beobachten, ohne zu stören
Die wirksamste Regel ist die einfachste: Abstand halten und sich vorhersehbar bewegen. Vögel gewöhnen sich an Menschen, die auf einem Weg bleiben, und fliegen auf, sobald jemand quer über die Fläche geht. Wer sich hinter eine Hecke setzt und zwanzig Minuten wartet, sieht mehr als jemand, der zwei Kilometer läuft.
In der Aue sehen Sie nicht mehr, weil Sie weiter gehen, sondern weil Sie länger bleiben.
Auch außerhalb der Zugzeit lohnt der Weg, dann allerdings aus anderen Gründen. Im Sommer blühen die Wiesen, Libellen stehen über den Altarmen, und in den Weichholzbeständen brüten Arten, die anderswo längst verschwunden sind. Im Winter wiederum liegt das Wasser weit über den Wiesen und zeigt, wie die Landschaft ursprünglich funktioniert hat.
Viele Auen sind heute Schutzgebiete mit Beobachtungshütten und beschilderten Rundwegen. Diese Infrastruktur ist keine Einschränkung, sondern der Grund, warum die Tiere überhaupt bleiben. Wer sie nutzt, sieht mehr und hinterlässt weniger.